Anna Reschreiter - Frauenpower in Männerdomäne

Die 18-jährige Anna Reschreiter aus Abtenau hat heuer ihre Lehre als Malerin und Anstreicherin bei der Malerei Ebner mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Sie erzählt, wie es ihr im Betrieb als einzige Frau in diesem eher typischen Männerberuf geht und welche Tipps sie für zukünftige Lehrlinge hat.


Warum hast du dich für den Malerberuf entschieden?

Der Bruder meiner Oma war Maler.  Ich war so fasziniert, welche Muster er an die Wand malen konnte und wie er mit der Leiter ging. Da wusste ich gleich, das will ich auch können. Damals war ich in der zweiten Hauptschulklasse.


Wie bist du zur Malerei Ebner gekommen?

Mein Vater sah einen Firmenbus der Malerei Ebner und riet mir, mich dort zu bewerben. Gesagt, getan:  Nach einer Woche Schnuppern war ich von der Firma so begeistert, dass ich geblieben bin. 


Du bist die einzige Frau. Ist das schwierig?

Nein, ganz im Gegenteil. Meine Kollegen akzeptieren mich voll. Als einzige Frau habe ich sogar Vorteile, denn einige Tätigkeiten sind mit viel Kraftaufwand verbunden. Zum Beispiel das Tragen der schweren Farbeimer oder das Deckenschleifen – da helfen mir dann die Männer ganz gentlemanlike. Zudem bin ich mit drei Brüdern aufgewachsen und somit die Situation als einziges Mädchen gewohnt. Und es werden immer mehr Frauen, die sich für diesen Beruf entscheiden: in der Berufsschule waren wir neun Burschen und vier Mädels. Es sind eher die Kunden, die überrascht sind, dass eine Frau kommt.  


Was gefällt dir in deinem Job am besten?

Am liebsten mag ich ausmalen. Erst schaut es recht aus und nach getaner Arbeit ist es voll schön. Da sehe ich gleich, was ich geleistet habe. Zudem habe ich sehr nette Arbeitskollegen und angenehme Vorgesetzte. Langweilig wird es auch nie: jeder neue Auftrag ist mit einer neuen Kundschaft und einer neuen Situation verbunden.


Lehre oder Schule? Was rätst du jungen Menschen, die sich nicht sicher sind?

Schnuppern. Keiner sollte einfach irgendeine Ausbildung machen, nur damit er oder sie was tut. Es ist wichtig, dass einem die Arbeit Freude macht. Beim Schnuppern sieht man gleich, ob der Job der richtige für einen ist und ob man sich im Betrieb wohl fühlt.


Wie war für dich die Lehrzeit?

Anstrengend. Wir hatten pro Jahr rund zwei Monate Berufsschule. Wöchentlich gab es mehrmals Prüfungen. Ich habe mich immer gefreut, wenn die Schule vorbei war und ich wieder arbeiten gehen konnte. Vor der Lehrabschlussprüfung habe ich freiwillig den Vorbereitungskurs beim Wifi besucht. Das kann ich nur jedem empfehlen, das hat mir sehr geholfen. Da ich zur selben Zeit auch die Führerscheinprüfung machte, war das für mich eine sehr stressige Zeit. Aber ich habe alles geschafft. Meine Eltern sind sehr stolz auf mich und das freut mich sehr.


Welche Voraussetzungen sollte ein Bewerber mitbringen?

Auf jeden Fall handwerkliches Geschick. Deshalb habe ich mich in der Hauptschule auch für das Unterrichtsfach Holz und nicht für Stricken entschieden.


Wie schauen deine Pläne für die Zukunft aus?

Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob ich die Meisterprüfung oder eine Weiterbildung zur Dekorationsmalerin machen werde. Auf jeden Fall habe ich für mich die richtige Berufsentscheidung getroffen: mir taugt es voll.